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skb 
26.08.2010

Über das Projekt – Welt der Habsburger

von Dr. Franz Sattlecker und Dr. Wolfgang Kippes
Geschäftsführer der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.H.

Welt und Welten der Habsburger

Wie keine andere Dynastie lenkten die Habsburger die Geschicke Europas. Über Jahrhunderte stellten sie die deutschen Könige und römisch-deutschen Kaiser, wurden zum Inbegriff der Monarchie. Maximilian I. legte durch seine Heiratspolitik den Grundstock für ein Reich, in dem „die Sonne nicht untergeht“. Die Herrschaft der Habsburger erstreckte sich über weite Teile Europas und die Kolonien in Übersee. Später mündete das Attentat auf Thronfolger Franz Ferdinand in die Katastrophe des ersten Weltkriegs.

Die Bezeichnung Welt der Habsburger ist somit, historisch gesehen, durchaus wörtlich zu nehmen. Als Titel unserer virtuellen Ausstellung verweist sie aber nicht allein auf eine geografische Dimension. Hier wird „Welt“ ebenso als Synonym für Gesellschaft und Kultur, aber auch für persönliche Lebenswelten verstanden.

Virtuelle Ausstellung

Das Projekt Welt der Habsburger geht auf eine Initiative der österreichischen Bundesregierung zurück und ist in den Regierungsprogrammen von 2007 und 2008 verankert. Mit der Durchführung wurde die Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft beauftragt. Um die Welt der Habsburger in ihrer ganzen Breite darzustellen und ihrem Umfang gerecht zu werden, entschied man sich für eine virtuelle Präsentation. Für das kuratorische Team – Historiker der Universität Wien – bedeutete das ein Denken weg vom Ausstellungsstück in seinem „sakralen“ Objektcharakter hin zu einem Gegenstand der Vermittlung und Interaktion. In Abgrenzung zu weblexikalischen Einträgen sollte der Ausstellungscharakter dennoch gewahrt bleiben. Dies war eine große Herausforderung, und eine Chance zugleich.

Zeiten, Räume, Menschen

Diese Chance liegt in den Möglichkeiten des Mediums selbst. Das betrifft praktische Komponenten wie die ortsunabhängige Zugänglichkeit, nahezu unbegrenzte Speicherkapazität – die Ausstellung umfasst über eintausend bildliche Darstellungen –, die Möglichkeit einer ständigen Erweiterung und das Zeigen von Objekten, die aus konservatorischen Gründen kaum zugänglich sind. Das eigentliche Potenzial eröffnet sich jedoch im Wechsel kontextueller Zusammenhänge, der immer neue Verknüpfungspunkte hervorbringt, und damit auch neue Bedeutungsebenen. Konkret erschließt sich die Welt der Habsburger über drei Zugangsebenen: über Zeit und Raum als zentrale Parameter der Geschichte und über die Persönlichkeiten, die diese Geschichte prägten. Einstiegspunkte sind eine Zeitleiste von 1278 bis 1918, eine Karte Europas und ein Stammbaum der Habsburger.

Digitale Narration

An den Schnittstellen von Orten, Ereignissen und Protagonisten eröffnen sich narrativ strukturierte Inhalte. Je nach gewählter Perspektive rücken sie soziale, politische, kulturelle oder wirtschaftliche Komponenten in den Vordergrund. Prägnante, spannend geschriebene Storys beleuchten epochale Ereignisse ebenso wie Themen aus der Alltags- und Kulturgeschichte. Sie zeigen die Habsburger in ihrem privaten, familiären, gesellschaftlichen und politischen Umfeld, eingebettet in die Entwicklungen ihrer Zeit und beleuchtet in der Fremd- und Eigenwahrnehmung von „oben“ und „unten“. Es war uns ein besonderes Anliegen, neben dem Adel auch die Welt jener Gesellschaftsschichten abzubilden, die herkömmliche Geschichtsbücher oft ausklammern. Im Wechsel der Perspektiven zeichnet sich ein reich differenziertes, durchaus kritisches Gesamtbild.

Website für alle

Wir haben die „Welt der Habsburger“ für ein heterogenes und internationales Publikum konzipiert. Die englische Version wird kurz nach der deutschen online gehen. Die Website funktioniert als ein Einstieg in die Thematik – zum Beispiel im Vorfeld eines Wien-Besuchs – ebenso wie als hilfreiches Tool für Schüler, Studenten und Akademiker. Historiker werden, so hoffen wir, vor allem die Fülle an Bilddaten zu schätzen wissen, wie sie in dieser Form bislang nicht vorlag. Dazu möchten wir hier vor allem der Bundesmobilienverwaltung, dem Kunsthistorischen Museum, dem Wien Museum, dem Technischen Museum, dem Österreichischen Staatsarchiv, dem Heeresgeschichtlichen Museum und den vielen weiteren Institutionen danken, die unseren eigenen, umfangreichen Fundus um wertvolles Material bereicherten.

Optik und Usability

Eine zentrale Aufgabe im Gesamtprojekt betraf die grafische Umsetzung. Schließlich musste die ungeheure Datenmenge und das feinmaschige Netz ihrer Verknüpfungen in eine Form gebracht werden, die allen Standards zeitgemäßer Usability entspricht. Das junge Wiener Grafikbüro dform leistete hier hervorragende Arbeit. Es gelang, die Komplexität der Inhalte übersichtlich und nachvollziehbar, aber trotzdem spannend abzubilden, unter Einbindung zahlreicher dynamischer Elemente. So sind wir zuversichtlich, dass die „Welt der Habsburger“ auf positives Echo stoßen wird, als ein Kaleidoskop aus Geschichten, die Geschichte machten.